interbad 2018: Kreativer Austausch

interbad Messe Stuttgart
Foto: Messe Stuttgart

Die Sonderschau „creating atmospheres“ auf der „interbad 2018“ bietet Herstellern, Planern und Auftraggebern eine Chance, sich an einem kreativen Ort zu treffen, um sich auszutauschen, zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Denn neben der funktionellen High-End-Ausstattung spielen auch weiche Faktoren wie Begrünung, Licht oder Akustik eine große Rolle, um das perfekte Umfeld für maximales Wohlbefinden auf allen Sinnesebenen zu schaffen. Das Innenarchitekturbüro Schienbein+Pier aus Stuttgart hat sich auf Planung und Bau von Wellness-Räumen und Spas spezialisiert. Im Interview spricht Geschäftsführer René Pier über neue Trends und Entwicklungen in der Gestaltung von Spa-Bereichen.

Herr Pier, welche Trends verzeichnet die Wellness-Branche?
Die Trends leiten sich aus gesellschaftlichen Entwicklungen ab. Eine deutliche Tendenz in unserer Gesellschaft geht in Richtung Selbstoptimierung. Das führt zu noch mehr Einsamkeit. Dem muss die Gesellschaft etwas entgegensetzen. Auf den Wellness-Bereich übertragen ist der Gegenpol das gemeinsame Erleben in der Gruppe und in der Natur. Als Spa-Betreiber und Investor liegt die Herausforderung jetzt darin, diesen Trend zu bedienen und die Wünsche der Menschen ernst zu nehmen. Es geht nicht mehr um weitere Zerstreuung, sondern um eine Fokussierung. Alles dreht sich um ein gemeinschaftliches Erlebnis, das das eigene Bewusstsein stärkt.

Dann gibt so ein Erlebnis wieder die Kraft, um sich in der Welt zu behaupten?
So ist es. Die Zeiten, in denen sich Wellness-Besucher einfach passiv auf Liegen ausruhten, sind vorbei. Bewegung ist die neue Medizin. Modernen Ruheräumen kommt jetzt eine ganz andere Bedeutung zu. Es sind keine klassischen Entspannungsräume mehr, sondern es sind Kommunikationsräume, in denen auf verschiedenen Ebenen kommuniziert wird. Das heißt, ich muss Diversität in der Innenarchitektur schaffen. Nehmen wir beispielsweise einen Raum, in dem Stille herrschen soll: Ich muss einen Raum schaffen, der durch sein Ambiente die Leute dazu bringt, still zu sein. Sie sind dann nicht ruhig, sondern sie sind einfach still. Das ist ein großer Unterschied. Wellness ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das führt dazu, dass die Menschen sie in ihr tägliches Leben integrieren. Damit einher geht übrigens eine weitere Entwicklung, von der ich hoffe, dass sie auch in der großen Investorenschaft ankommt: Es lohnt sich bei der Ausstattung von Spas, auch in zwei oder drei Sternen zu denken und nicht immer nur in fünf Sternen. Wellness sollte keine Frage des Gelbeutels sein.

Was heißt das für den Wellness-Bereich in Hotels?
Ein Spa in einem Hotel ist einer der wenigen Orte, in denen man mit Räumen Geschichten in einer besonderen Dichte erzählen kann. Hierbei kommt es aber darauf an, narrative Räume zu schaffen, die zur Philosophie des Hotels oder der Anlage passen. Je näher die Geschichte an der Authentizität des Hotels und dessen Setting gewählt ist, desto einfacher ist es für den Gast, Hotel und Spa als Einheit zu sehen. Spannend wird es, wenn das Spa eine eigene Geschichte erzählen soll. Da kommt es dann darauf an, wie stark der Sog in die Geschichte ist, sodass der Gast im besten Fall vergisst, wo er ist und komplett in die Geschichte eintaucht. Gerade das Einswerden mit der Geschichte öffnet für den Hotelier große Möglichkeiten, denn der Gast durchlebt die Geschichte und kann auf dem Weg an vielerlei Stationen etwas über sich erfahren, die Gemeinschaft mit anderen Gleichgesinnten spüren oder sich sogar dabei verändern.

René Pier vom Stuttgarter Innenarchitekturbür Schienbein+Pier. Foto: Messe Stuttgart

Wie sieht die Entwicklung im privaten Sektor aus?
Für die Sanitärindustrie ist das Wort „private spa“ ja schon sehr lange ein Wirtschaftsmotor. Wir hatten zuerst die Nasszelle, dann das Wohnbad und jetzt das „private Spa“. Die Leute verstehen ihre privaten Räume als krafttankende Zellen, in denen sie morgens und abends etwas Besonderes erleben können oder besonderen Ritualen folgen, die sie entwickelt haben, weil das gut für sie ist. Ganz individuell. Das ist genau das Spannungsverhältnis. Der Indikator für einen gelungenen Wellness-Urlaub ist der Grad der persönlichen Veränderung. Ich will in meinem Wellness-Urlaub verändert werden. Ich möchte Hilfestellung bekommen, um mich zu verändern.

Was bedeutet das für die Ausstattung von Spas?
Ich glaube, alle haben verstanden, dass man nur von seinem Kopf her etwas verändern kann: aus eigenem Willen Gewicht verlieren, gesünder leben, mit dem Rauchen aufhören oder was auch immer. Dies ist in den Köpfen derjenigen, die heute aktiv einen Wellness-Urlaub buchen, ganz klar angekommen. Das ist der Grund, warum die passiven Aktivitäten auch immer weniger werden. Kommunikation, Aktion und damit verbunden persönliche Veränderung sind die Faktoren, die bei der Planung von Spas eine entscheidende Rolle spielen.

Sie engagieren sich seit Jahren anlässlich der interbad auf der Sonderschau „creating atmospheres“. Was erwartet die Besucher?
„creating atmospheres“ ist ein lebendiger Treffpunkt für Hersteller, Architekten, Planer, Hoteliers und private Bauherren. In der Outdoor-Landschaft mit Sauna, Pool und Gartenanlage erfahren die Besucher der interbad alles zu unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten für den Wellnessbereich in Hotels oder Privatimmobilien und können sich für den Bau oder die Renovierung ihres Spa-Bereichs inspirieren lassen. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, sich in einer Beratungszone „Kompetenzzentrum für Schwimmbadträume“ mit Experten auszutauschen und kompetent beraten zu lassen.

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