Naturstein richtig behandeln (Teil 3)

Naturstein richtig behandeln

Die Optik war in den ersten beiden Teilen dieser Reihe der Haupt­bestandteil. Im abschließenden dritten Teil möchten wir die wichtigen Zusatzdetails wie Trittsicherheit, Reinigung, Umgang mit Salz und ­Verfugung betrachten.

Naturstein an sich bedarf einiger Fachkenntnis. Aber die Wahl des richtigen Materials ist nur ein Teil der planerischen Aufgaben. Was der Poolbesitzer nicht sieht, sind Details, die eine Nutzungsqualität wesentlich beeinflussen. Das Anforderungsprofil des Endkunden ist oft humorvoll so zu bezeichnen: „Hochglänzend, rutschsicher, selbstverlegend und selbstreinigend.“ Das ist leider nicht möglich, zeigt aber die Bereiche, die Einfluss nehmen.

Trittsicherheit und Reinigung

Problemfall Mörtel: In diesem Beispiel wandert der Mörtel in den Naturstein ein, was zu unschönen Veränderungen des Steins führt. Aquaplaning ist die Horrorvorstellung für jeden Autofahrer. Dieser Effekt tritt auch in Poolbereichen auf. Das gilt es weitestgehend zu verhindern. Die rutschhemmenden Eigenschaften sind natürlich in Deutschland geregelt, sobald eine gewerbliche/öffentliche Nutzung vorliegt. Das kann für eine Haftpflichtversicherung aber auch schon dann der Fall sein, wenn „Nichtfamilienmitglieder“, wie Nachbarskinder, Freunde usw. den Pool benutzen. Die Frage, warum jemand ausrutscht, ist relativ einfach zu beantworten. Wenn eine Person die Kontrolle über seinen Körperschwerpunkt verliert, fällt er hin. Dementsprechend ist die Anzahl der Einflussfaktoren fast unendlich. Alter, Gemütszustand, Verhältnis von Körperhöhe und Schuhgröße, Promillewert usw. spielen dabei eine Rolle.

Um allen Beteiligten Rechtssicherheit zu geben, haben die Unfallkassen ein Regelwerk zur Prüfung und Anforderung an die rutschhemmenden Eigenschaften von Bodenbelägen in Nassbereichen erstellt, das frei zugänglich ist. Dort sind drei verschiedene Anforderungsklassen aufgeführt, die auch als „A-B-C-Werte“ bekannt sind.

Die Frage, wie man welche Werte erreicht, ist materialabhängig und sollte im Einzelfall geprüft werden. Als Anhaltspunkt ein paar Beispiele:
– „A“ geschliffen C 120, geschliffen C 600 + LaserGrip, antik gebürstet, ­satiniert + ­LaserGrip, getrommelt
– „B“ geflammt und gebürstet, rollengestockt und gebürstet, sägerau, geschliffen C 80, geschliffen 220 + LaserGrip
– „C“ Gatterrau (nicht sägerau), gestockt, geflammt, gesandstrahlt. Diese Ober­flächen sind nicht besonders fußschmeichelnd.

Ein paar Ausnahmen sollten jedoch genannt werden. Basalt-Lava und ungespachtelter Travertin erreichen je nach Oberflächenschliff alle Werte.

Kein Belag bleibt sauber, es sei denn man verschweißt ihn in Folie. Auch die rutschhemmenden Eigenschaften gehen durch Schmutz verloren. Bei der Reinigung sollte man einen wichtigen Leitsatz beachten: Reinigung ist die Entfernung von Schmutz, Pflege ist das bewusste Hinterlassen von Rückständen. Pflegende Substanzen, außer klassischer Steinseife sollten im Schwimmbadbereich nicht genutzt werden. Sie überdecken schlimmstenfalls die rutschhemmenden Oberflächen. (Schmier­seifeneffekt) Empfehlenswert ist bei „A“-und „B“-Oberflächen die Nutzung eines Reinigungsautomaten. Diese Geräte sorgen vor allen Dingen dafür, dass die unter dem schönen Namen „Körperfett“ bekannten Hautreste hygienisch entfernt werden. Die alte Methode mittels Senfeimer und Schrubber die Böden zu reinigen ist weder hygienisch, noch effektiv. Es fällt eher unter den Begriff „Schmutzverteilung“.

Ein anderes Problem sind Fugen, die sich bei nicht sachgerechter Verarbeitung langsam slebst auflösen.Optimal für Schwimmbäder sind sogenannte Walzenbürstmaschinen, die in handlicher Form, fast wie ein Staubsauger beispielweise Kärcher BR 30/4c BR 40/10 oder bei größeren Flächen das Modell 35/12c, erhältlich sind. Vorteil ist die hygienische Reinigung. Bei den größeren Maschinen kommt auch der Fahrspaß nicht zu kurz. Lediglich bei den Oberflächen der Gruppe „C“ gibt es in der Regel nur die Möglichkeit der manuellen Reinigung. In den wenigen Bereichen, wo diese sehr hohe Rutschhemmung notwendig ist, macht man es im Allgemeinen nur dann, wenn das Wasser abgelassen wird.

Die Reinigungsmittel müssen auf den Naturstein und je nach Beckenrandausbildung auf die Wasseraufbereitung abgestellt werden. Hilfe dazu gibt es meist nur aus dem professionellem Bereich und nicht mit Endverbraucherprodukten. Eine Ausnahme bildet die Entfernung der Reste vom Verlegemörtel bzw. Zementschleier. Dies ist eine zu erbringende Nebenleistung des Verlegers, die auch nicht extra bezahlt wird.

Fleckentfernung und die ­Wirkung von Salz

Jede Nutzung führt auch öfter mal zu einer partiellen Verfleckung, z. B. durch den Grillabend am Pool oder ausgelaufene Flaschen von Sonnenschutz. Auf unserer Website kann ein Fleckentfernungskonzept kostenfrei heruntergeladen werden.

Kein vernünftiger Mensch kommt auf die Idee, Tausalz um den Pool zu streuen, denn bei winterlichen Temperaturen werden Poolanlagen meist geleert und gereinigt. Salzwasser kann auch unbewusst entstehen durch die Wasseraufbereitung. Wenn man permanent Säure und Alkalien zusetzt zur pH-Wert Regulierung, ist bei korrekter Anwendung generell mit einer „Aufsalzung“ zu rechnen. Je nach Säure-Base-Kombination entsteht z. B. Kochsalz oder Gips. Das Kochsalzkonzentrat kann nur durch Frischwasserzufuhr verringert werden oder durch eine zusätzliche Entsalzungsanlage.

Abgelagerter Gips ist nur mechanisch entfernbar. Flusssäure kann Gips zwar entfernen, ist aber giftig und greift jeden mineralischen Belag an. Abhilfe wäre der chemiefreie Schwimmteich. Ein neuralgischer Punkt ist immer die Wasserlinie. Fast jedes Material wird hier auf Dauer schwächeln. Die Ausnahme ist der bereits mehrfach erwähnte Naturstein „Alta Quarzit“.

Neben der Abdichtung, spielt die Wahl des Verlegesystems eine große Rolle in der Nutzungszufriedenheit der Kunden. Früher nahm man Sand und Zement, da man nichts anderes hatte. Heute gibt es die verschiedensten Systeme, die alle eine Eigenheit besitzen. Bei zementärer Verlegung ist nach den anerkannten Regeln der Technik die Bildung von Feuchteflecken nicht zu 100 Prozent auszuschließen. Ausblühungen durch ausgewaschenen Kalk sind nicht 100-prozentig zu verhindern.

Verfugung bei fester Verlegung

Das Problem der "Aufsalzung" entsteht, wenn man permanent Säure und Alkalien zur pH-Wert Regulierung zusetzt. Die gängigste Methode bei schmalen Fugen für Formatplatten war es früher, Quarzsand und vernünftigen Trasszement zu mischen. Diese Masse wurde dann mit einer Gummiflitsche eingeschlämmt. Bei breiteren Fugen z. B. bei Polygonalplatten wurde der normale Verlegemörtel mit einem Fugeisen eingebracht und glattgestrichen. Manchmal wurde dann noch  nachgeschlämmt. Vorteilhaft ist die gute Verarbeitbarkeit bei gutmütigen Sorten und die geringen Kosten. Die Fuge ist für Wasser in der Regel die schwächste Stelle und Feuchtigkeit kann rela
tiv gut abdampfen. Nachteilig ist die große Bandbreite der Eigenschaften, die vom Zement und dem verwendeten Sand abhängt. Bei Kalksteinen gehen zementäre Fugmaterialien eine chemische Verbindung mit dem Gestein ein.

In Österreich nutzt man auch ein Gemisch aus Zement und Kalksteinbruch, wie z. B. Mellauer Schlagsand. Neben Zement sind heute eine Vielzahl von Inhaltsstoffen in fertigen, zementären Fertigfugmörteln enthalten, wie Farbstoffe, Kalksteinmehl als Brückenelement, Kunststoffe zur Haftverbesserung, Erstarrungsbeschleuniger oder -verzögerer. Aber auch Trass, Metakaolin und natürlich Portlandzement sind enthalten. Vorteil ist die gleichmäßige Qualität und die fertige Abstimmung für verschiedenste Anwendungen. Der verwendete Sand hat für die Breite der Fuge die passende Korngröße.

Nachteilig ist der mitunter hohe Preis. Falsches Anmischen kann bei stark vergüteten Fugmaterialien zu „Barockrahmen“ an den Natursteinen führen, die nicht mehr entfernbar sind. Generell kann man Flankenabrisse nicht vermeiden. In unseren Breiten mit Temperaturunterschieden von über 80° C an der Steinoberfläche wird jedes feste Fugmaterial in die Knie gehen, selbst bei sorgfältigster Arbeit. Zementäre Fugen sind zudem generell nicht säurebeständig. Das sollte man jedem Kunden vorher sagen.

Reaktionsharze haben ihre eigenen Vor- und Nachteile, die auch mit der Wasseraufbereitung zusammenhängen können. Oft führt eine falsche Anwendung bzw. Verarbeitung (Umtopfen vergessen) zu Unstimmigkeiten. Auch hier gibt es wasserdurchlässige und wasserundurchlässige Systeme. Eine Freigabe sollte bei allen Fugmaterialien durch den Hersteller erfolgen. Vorteil ist die Beständigkeit gegenüber vielen sauren Schwimmbadreinigungsmitteln.

Verfugung bei loser Verlegung

Fugenlos ist nicht empfehlenswert. Knirsch verlegte Platten führen oft zu Feuchteflecken. Die Längenausdehnung durch die Temperaturschwankungen führen zu relativ großen Verschiebungen und können zu starken Ausbrüchen führen, besonders dann, wenn der Belag zwischen Wänden oder anderen festen Begrenzungen „eingespannt“ ist. In die relativ engen Fugen kann trotzdem eingetragener Schmutz einwandern oder auch Gras wachsen. Dann können die Spannungen über die Jahre so groß werden, dass der Belag sich stark verschiebt oder sich sogar hochwölbt. Bei ungebundener Verlegung ist die Verwendung von Zementfugen nicht zu empfehlen. Das Fugmaterial fällt regelrecht durch, sobald Spannungen, z. B. durch Temperaturwechsel auftreten. Manchmal reicht es aus, den schweren Grillwagen auf den Platten zu  bewegen. Ameisen, Gras oder Unkraut sind bei vielen Kunden auf der Terrasse sehr unbeliebt, weshalb die Fugen mit Reaktionsharzmörteln verschlossen werden. Oft sind es zweikomponentige, wasserdispergierbare Harze. Leider ist es oft so, dass die Produkte nicht korrekt angewendet werden.

Die Oberfläche muss sauber und satt vorgenässt werden, damit die Poren voller Wasser sind. Das Harz wird dann dem Mineralstoff zugegeben und muss mit einem Zwangsmischer ordentlich durchgemengt werden. Dann kann mit einem Gummischieber der Mörtel in die Fugen eingebracht werden. Das Abwaschen muss relativ kurzfristig (je nach Anleitung) danach erfolgen. Das ist bei rauen Oberflächen, wie bei geflammten Graniten nicht einfach. Problematisch sind Reste auf den Platten, die zu einer Farbintensivierung führen. Mit speziellen Chemikalien, können diese meistens entfernt werden. Gelbverfärbungen nach einiger Zeit kommen ggf. noch dazu, da nicht alle Mörtel UV–beständig sind oder unzureichend gemischt wurden.

Ist durch nicht ausreichende Vorwässerung das Epoxydharz in den Stein eingezogen, dann hilft meist nur noch der Austausch. Aber auch hier können durch nicht ausreichend stabile Untergründe relativ schnell Risse auftreten. Eigentlich sollte die Fuge die schwächste Stelle sein für Feuchtigkeit. Das ist allerdings bei Reaktionsharzen in der Regel nicht der Fall, so dass die gesamte Feuchte von unten durch den Stein muss. Ein ordentlicher Aufbau durch Schotter und Splitt nach den Regeln des Straßenbaus ist technisch gesehen die dauerhafteste Lösung . Aufeinander abgestimmte Sieblinien und Einfegen von Brechsand ist relativ unproblematisch. Sollte der untenliegende Splitt zu grob und der Sand zu fein, bzw. zu rund sein, dann werden die Fugen eher offen als geschlossen sein und die Platten werden durch „nachsanden“ und der Begehung nach „oben“ wandern. Um eine Querverschiebung der Platten zu verringern, setzt man oft Fugenkreuze ein, die aus Silikon oder Gummi bestehen, damit sich die Platten wesentlich weniger verschieben.

Jedes Belagsmaterial und dessen Verlegung hat seine Eigenheiten. Nicht umsonst ist das Schwimmbad einer der kompliziertesten Einbauorte für Belagsmaterialien und verlangt hohes Fachwissen aus der Materialkunde und der Chemie. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die ein System aus den Angeln heben. Beispielsweise kann die Kühlung von Thermalwasser aus 400 Meter Tiefe mit Brunnenwasser aus 30 Meter Tiefe zu nicht mehr entfernbaren Krusten vom Naturstein unter Wasser führen. Fallstricke drohen in jedem Gewerk, weil jeder Pool anders ist.

Fotos: Magnastein, Tom Bendix, Tom Philippi   Text: Norbert Fahrenkrog

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