Natursteine richtig einsetzen (Teil 1)

Natursteine richtig einsetzen

Im ersten Teil unserer dreiteiligen Serie nimmt Sie der Fachautor ­Herbert Fahrenkrog mit auf eine Zeitreise über die Bedeutung der Natursteine im Schwimmbadbereich und erklärt, welche Granite, Gneise und Quarzite in Pool- und Wellnessanlagen wie eingesetzt werden sollten.

Die ersten Naturbäder waren meistens bei Ebbe abgetrennte Bereiche an den Steinküsten, die sich im Sommer gut dafür eigneten, sich von der Jagd zu entspannen. Vor allen Dingen für Kinder war das Bad im Meer hochgefährlich. Auch im Inland gab es in den Karstgebieten natürliche Schwimm- und Planschgelegenheiten, wenn auch nicht immer mit dem romantischen Wasserfall.

Vorläufer der römischen Thermen (von griech. θερμός thermos = warm) waren die griechischen Wannenbäder, „balneum“ genannt, von dem sich das Wort Bad ableitet. Die erste eigentliche Wellnesstherme baute Marcus Vipsanius Agrippa, der als Statthalter von Gallien zu Reichtum gekommen war.

Er ließ die nach ihm benannten Agrippa-Thermen bauen, die neben den Freuden des Wassers auch anderweitige Erholung anbot, wenn auch nicht immer jugendfrei. Er wird von Historikern als Vater der Wellness angesehen. Er ließ übrigens in seinem Testament festlegen, dass die von ihm gebauten Thermen auch nach seinem Tod von römischen Bürgern kostenlos benutzt werden konnten.

Neben den öffentlichen Thermen, die durch den Staat oder Spenden von reichen Römern finanziert wurden, gab es damals auch schon private Thermen, für die Eintrittsgeld verlangt wurde.

Die Verwendung von Natursteinen in den Thermen oder Schwimmbädern, die oft dadurch entstanden sind, um das Thermalwasser abzukühlen, ist Standard gewesen. Fußbodenheizungen in den Nassbereichen sind keine Erfindung der Neuzeit. Allerdings hatten die Steinmetze in damaliger Zeit weniger Schwierigkeiten. Man baute bekannte Steinsorten aus dem Umfeld mit entsprechender Erfahrung ein. Die Toleranz gegenüber den Gebrauchsspuren war wesentlich höher. Die Barbaren (Goten) zerstörten um 500 die lebenswichtigen Aquädukte und Wasserleitungen. Nach der Plünderung Roms waren die Barbaren nicht in der Lage, die Thermen zu reparieren.

Die Technik war zu kompliziert. In Byzanz lebte die Tradition jedoch weiter und wurde von den Arabern übernommen, von denen wir wiederum das grundlegende Wissen im 20. Jahrhundert lernten. Bäder im Mittelalter waren bis auf ganz wenige Ausnahmen Wannenbäder mit Holzbottichen. Mit der Pest verschwanden auch diese von der Kirche oft gebrandmarkten letzten Reste der Reinlichkeit. Erst im 18. Jahrhundert lebte das Kurbad in England wieder auf. Die Idee des Kurbads wurde dann im 19. Jahrhundert mit der Gründung der Kur-orte an der mecklenburgischen Küste und in Böhmen aufgenommen und sozusagen wiederentdeckt. Naturstein war für diese exklusiven Bäder eine Pflicht. Wie in der Antike wurde der Hauptanteil aus Steinen aus der Umgebung genommen. Für die repräsentativen Bereiche kam oft Marmor oder Kalkstein zum Einsatz, der für sehr viel Geld importiert wurde.

Heute sind Naturstein und Keramik die Standardmaterialien in Nassbereichen. Die keramischen Werkstoffe sind relativ überschaubar, was die Materialeigenschaften angeht. Bei Naturstein ist es leider nicht immer so einfach. Mehr als 3 000 verschiedene Gesteinssorten mit ihren typischen Eigenheiten sind in Europa erhältlich. Die für eine Auswahl notwendigen Erfahrungswerte sind selten, da oft die Wasseraufbereitung unterschätzt wird.

Natursteine wie Granit werden im Schwimmbadbereich gerne eingesetzt. Bei den Farben sind insbesondere Grau, Rosatöne, Beige oder Braun geeignet. Foto: FotoliaNaturstein patiniert
Der Begriff „Patina“ kommt aus der italienischen Sprache und bedeutet „dünne Schicht“. Meistens wird mit dem Begriff Patina eine Veränderung der Oberfläche und der Optik durch natürliche oder auch künstliche Alterung gemeint. In der Restaurierung zählen diese Alterungserscheinungen meistens zur „Originalsubstanz“, da sie zur Objektgeschichte gehören. Dazu gehört schlichtweg die Farbverändung durch die Füllung der Poren mit Staub, Reinigungsmittelresten und Schmutz. Grundaussage ist immer, dass sich der Naturstein im Laufe der Nutzungszeit grundsätzlich in seiner Optik verändert. Eine Reinigung kann diesen Umstand nur verzögern, aber nicht verhindern.

Bevor man sich mit diesem Thema befasst, sollte man beachten, dass eine Warmwasserdusche, ein Banarium, eine Sauna usw. ganz andere Anforderungen an die verwendeten Materialien stellt. Was für ein Schwimmbad geeignet ist, kann für ein Hamam ungeeignet sein und umgekehrt. Darauf werden wir im dritten Teil genauer eingehen. Allen Natursteinen gemeinsam ist die Empfindlichkeit gegenüber Salz. Gegenüber Salzwasser ist kaum ein Naturstein auf Dauer ohne starke Gebrauchsspuren nutzbar.

Granit ist das härteste und ­beste Gestein!?
Diese Aussage ist eindeutig falsch. Um das zu erklären, muss man nur ein bisschen über die Entstehungsgeschichte wissen. Der Granit entsteht in großen Tiefen und über eine sehr lange Abkühlzeit. Durch Bewegungen der Erdkruste können sich die Krustenplatten übereinanderschieben. Dabei wird Magma eingeschlossen. Je nach Zusammensetzung entstehen die unterschiedlichen Tiefengesteine, u. a. auch Granit. Bei Goethe ist bereits zum Granit nachzulesen: „Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess ich nimmer“. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Eigentlich gehört dazu „…. die drei allein sind nimmer“.

Zu den relativ stabilen Hauptmineralien kommen immer mehr oder weniger „Beigaben“ hinzu, wie die Erzmineralien. Im Schwarzwald waren es z. B. die radioaktiven Elemente, wie Thoriumerze. Aber nicht jeder Granit „tickt laut“. Fast immer sind es verschiedene Eisenerze, die zwischen den Kristallen eingelagert sind.

Deren chemische Stabilität ändert sich mit dem Einfluss von Zeit und Wasserchemikalien deutlich. Säure und Laugen zerstören in der Regel im Schwimmbad nicht die strukturelle Integrität des Granits (er bröselt nicht weg), aber es kann durchaus zu sehr störenden Farbveränderungen kommen, wenn die Erze chemisch aufgebrochen werden. Wasser dient dabei als Transporteur und der schöne helle Granit ist sehr schnell gelb oder rot verfärbt.

Hochstabile graue Granite aus Skandinavien, wie „Kuru grey“, „Bohus grey und silver“ sind in diesem Farbbereich die absolut geeignetsten Materialien, neben „Pedras Salgadas“ aus Portugal. Negativ fallen fast gleichaussehende Gesteine auf, wie z. B. „China Cristall“, „Bianco Cristall“, „Padang hell“ oder „Silvestre Claro“.

Die Fleckempfindlichkeit gegenüber verfärbenden Flüssigkeiten ist sehr unterschiedlich. Die Kristalle im Granit sind rein mechanisch ineinander verzahnt. Je nach Porenform und -größe gibt es Granite, die sich eher wie ein Schwamm verhalten, andere hingegen sind weniger anfällig. Ein einfacher Test mit Wasser kann das klären. Man gibt auf eine Musterfliese Wasser und dreht diese nach zwei Minuten um. Je nach Kapillarität hat man dann einen „durchschlagenden“ Erfolg.

Die möglichen Farben bei Graniten sind sehr vielfältig, aber auch begrenzt. Zu den reklamationsarmen Graniten gehören z. B. Rosafarben: „Rosa Porinho“ Rot: „Bohus rot“ „Balmoral,Tranas“, Beige: „Crema Julia“, Graublau: „Azul Nocce“, Braun: Baltic Braun, Blaurot: „Quimbra“

Gelbe und dunkle Granite
Die warmtonigen gelben Granite entstehen durch natürlich
e Verwitterung von meist grauen Gesteinen. Es sind die obersten Schichten, die abgebaut werden. Trotz der ansprechenden Farbe sind sie die ungeeignetsten Granite für Schwimmbadbereiche. Allein durch Feuchtewechsel können sie schnell rot bis rotbraun werden. Falls jemand diesen Farbbereich wünscht, sollte eher auf andere Materialien, wie z. B. gelbe Travertine (siehe Teil 2) oder Quarzite ausgewichen werden.

Schwarze Granite gehören geologisch zu den Märchenwesen, da es sie nicht gibt. Dunkle Granitverwandte, wie die Granodiorite haben meistens sehr gutmütige Eigenschaften. Topmaterial wäre ein Lanhelin aus Frankreich oder im Low-Budget Bereich der „Padang Dunkel“ aus China. Sie sind nicht immer gleichmäßig und sollten bemustert werden. Schwarze Natursteine sind meistens Basalte oder Gabbros.

Deren chemische Beständigkeit ist in der Regel ausreichend, wenn man nicht die Schwimmbadchemikalien direkt darauf ausschüttet. Auch hier gibt es „Ausreißer“, wie z. B. der „billigste“ schwarze Stein, ein „Basanit“, der unter verschiedensten Namen, wie z. B. „Tiger Black, Puma Black“ verkauft wird. Bei den chinesischen Lieferanten wird er als „G684“ gehandelt. Das Material ist sehr dicht, aber hochgradig säureempfindlich und reagiert selbst mit Kohlensäure mit einem irreversiblen Farb-umschlag. Relativ gleichmäßig dunkelgraues Material kommt aus Deutschland. „Hohenfelser Zähbasaltlava“ aus der Eifel ist trotz der Porigkeit frostfest und wird seit Jahrhunderten verwendet.

Gneise und Quarzite
Gneise sind die Recyclingmaterialien der Natur. Sande und andere Ablagerungen werden „nach unten“ geschoben und durch Druck und Hitze wieder zusammengeschmolzen. Je nach Zusammensetzung der Ausgangsmaterialien und dem Grad der Umwandlung (Metamorphose) können attraktive geeignete Schwimmbadsteine entstehen oder auch solche, die man ggf. nach drei Tagen am liebsten wieder entfernen möchte, weil sie sich verfärbt haben. Auch dazu ein paar gute Materialien nach Farbe sortiert. Grün: „Verde Andeer“ aus der Schweiz, der sogar spaltrau geliefert werden kann, Rot: Vanga“ aus Schweden, Lila bis Violett : „Paradiso Classico“. Die meisten hellen Gneise, wie z. B. „Kashmir white“ und „Imperial white“ aus Indien sollten ebensowenig verwendet werden, wie die gelben Sorten.

Sandsteine, die durch äußere Einflüsse viel Druck bekommen haben, werden zu Quarziten umgewandelt. Je nach Art der Metamorphose kommen unterschiedlichste Eigenschaften zutage. Der grünlich, silbrig schimmernde „Alta Quarzit und der etwas hellere „Flammet Quarzit“ aus Norwegen gehören zu den absolut beständigsten Gesteinen, die im Handel erhältlich sind. Die gelblichen Quarzite aus Brasilien, die unter dem Handelsnamen „Albino Yellow“ verkauft werden sind qualitativ zwar schlechter als ihre skandinavischen Verwandten, aber für Schwimmbäder geeignet.

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