Zwischen Pool und Rechenmaschine

Future Pool Schwimmbecken

Josef Hartmann hat viel erlebt in der Schwimmbadbranche: Der Finanzfachmann stieg 1980 bei Bruno Kern ein, durchlief ­diverse Übernahmen und machte sich 1998 schließlich mit Future Pool selbstständig. Schwimmbad & Sauna zu Besuch in Aschaffenburg.

Einen Filter zusammenbauen kann Josef Hartmann auch.
Als sich der Finanzfachmann 1998 mit fünf Kollegen selbstständig machte und die Firma Future Pool gründete,  wurde jede Hand in der Produktion gebraucht. Doch sein Metier ist die Welt der Zahlen, Jahresabschlüsse, Budgetplanungen etc.

So fand er auch den Weg in die Schwimmbadbranche zur Bruno Kern GmbH in Mömbris. Kern war einer der ersten, die in Deutschland Schwimmbecken herstellten. Kurz bevor Josef Hartmann bei Bruno Kern im Finanz- und Rechnungswesen begann, wurde das Unternehmen von der ADT AG übernommen, die Akquisition lief rein kreditfinanziert.

Für den damals 30-jährigen Hartmann gab es viel zu tun, ein Jahr saß er mit externen Wirtschaftsprüfern zusammen. Da Kern auch eine Produktions- und Vertriebsfirma in Italien hatte, lernte Josef Hartmann nicht nur das „Amerikanische Journal“ kennen, eine EDV-freie, manuelle Form der doppelten Buchführung, sondern entdeckte auch seine bis heute bestehende Liebe zu Südtirol. In die Nähe von Meran reist er jedes Jahr, auch wenn die Firma und seine Olivetti-Rechenmaschine schon lange nicht mehr existieren.

Als die ADT AG in eine finanzielle Schieflage geriet, wurden Bruno Kern und der Badschrankhersteller Allibert in die Sommer-Allibert (Frankreich) eingegliedert. 1985 verkaufte Sommer-Allibert die Beteiligung Bruno Kern an die Zodiac SA. Die Zodiac Kern GmbH entstand. Zodiac war damals vor allem für die Herstellung von Fallschschirmen und Schlauchbooten bekannt. Während die Folienfertigung von Kern nach Frank­reich verlagert wurde, konnte die Filterproduktion in Deutschland gehalten werden.

Eine wichtige Forderung von zwei Großkunden aus dem Versandhandel, wie sich Josef Hartmann erinnert. Die Akquisetour der Franzosen war damit nicht zu Ende: Das 1982 von einem führenden Kern-Mitarbeiter gegründete Unternehmen Debes & Wunder (D&W) wurde 1995 ebenfalls Teil der Zodiac-Schwimmbadgruppe. Für den Finanzmann Josef Hartmann waren die 90er-Jahre, insbesondere die Nachwendezeit, eine Phase anhaltenden, zweistelligen Wachstums.

Future Pool gegründet
Der Wendepunkt kam 1997: „Wir hatten ein schlechtes Jahr und von Frankreich wurden Personalentlassungen gefordert“, so Josef Hartmann. Veränderungen in dem Technologiekonzern ließen auch keine klare Zukunftsperspektive erkennen. Nach 18 Jahren bei Zodiac „mit viel Herzblut“, wagte Josef Hartmann noch einmal einen Neuanfang. Zusammen mit fünf Kollegen gründete er die Firma Future Pool in Aschaffenburg.

Mit Peter Brückner (Entwicklung und Produktion), Verkaufsleiter und Prokurist Michael Bauer, Günter Zöller (Außendienst und Leiter Produktschulungen und Geschäftsführer Josef Hartmann sind heute noch vier Gründungsmitglieder als Gesellschafter dabei. „Die erste Zeit war hart, keiner hat auf uns gewartet und der Ärger bei Zodiac war groß“, erklärt Hartmann. Im Lauf der Zeit haben sich die Wogen geglättet, „inzwischen sind wir ein großer Kunde bei Zodiac“, so Hartmann. „Der heutige Erfolg von Future Pool wäre ohne meine Mitgesellschafter und die Mitarbeiter nicht denkbar“, hebt Hartmann hervor.

Am Firmensitz in Aschaffenburg entstand eine ansehnliche Produktionsstätte. So werden die Aufstellbecken aus Stahlwand hausintern gefertigt, genau wie die Schiebehallen und Solarabsorber. Die Aufstellbecken und die immer beliebter werdenden Styroporbecken sind inzwischen das Hauptgeschäft bei Future Pool. Bei den Schiebehallen besetzt man eine Nische, kann man doch sehr individuell auf Kundenwünsche eingehen. Unter der Technik-Marke „Infinity“ bietet man neben von Speck gefertigten Pumpen auch Wärmepumpen anderer Hersteller, Salzwasser-elektrolysegeräte und das Wasserpflegemittel „Saness“ an.

„Wichtig ist es, Allianzen zu gründen“, betont Hartmann, der neben seinen vier Mitgesellschaftern vor Jahren mit Adventis Pool einen strategischen Partner für das Unternehmen gewonnen hat.  Da man sich mit den eigenen Produkten im Massenmarkt bewege, steht auch der Vertriebsweg über das Internet im Fokus. „Wir haben Kunden, die mit vernünftigen Preisen im Internet verkaufen“, sagt Josef Hartmann. Basis des Future Pool-Kundenstamms bleiben aber die rund 300 Schwimmbadfachhändler, etwa 30 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Export. Auch da zähle das Qualitätskriterium „Made in Germany“, wie Hartmann betont.

In diesem Jahr geht Josef Hartmann in seine 34. Schwimmbadsaison. Ob es seine letzte wird, lässt der Unterfranke aus Kahl am Main offen. Er hat noch einen Vertrag bis zum Jahresende – Verlängerung nicht ausgeschlossen.

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